unterirdisch:LICHT!

» Ausstellung, Kaiserslautern

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Die Ausstellung unterirdisch:LICHT! erschließt einen Felsenkeller mit weit verzweigten Gängen und Höhlen. Die architektonischen Voraussetzungen – Dunkelheit, Feuchtigkeit, Temperatur, Akustik und die rohe Beschaffenheit von Wänden und Böden – prägen die Umgebung für die Kunstwerke und Klang ganz entscheidend. Die künstlerischen Positionen greifen diese seltenen und ungewöhnlichen Bedingungen auf und entwickeln sie aus dem Ort heraus weiter.

Der Ort als historisches Kontinuum

Die Ausstellung unterirdisch:LICHT! inszeniert den Keller als ein palimpsestartiges Kontinuum, in dem die historischen Narben des ehemaligen Lager- und Schutzraums mit den künstlerischen Interventionen verschmelzen – sie folgt einer sorgfältig kuratierten Raumdramaturgie. Im Gehen durch den Raum ordnen sich die unterschiedlichen medialen Formen zu einem Gefüge, das sich choreografisch erschließt und Übergänge zu Objekt- und Klangkunst präzise ausbildet, ohne deren Autonomie zu nivellieren.

Im Mittelpunkt steht die Frage, worauf Sehen und Wahrnehmung tatsächlich reagieren. Das Licht zeichnet Linien, legt Strukturen frei, überlagert vorhandene Texturen und verschiebt räumliche Bezüge. Sichtachsen und Blickwinkel treten dabei in wechselnden Intensitäten hervor und bleiben an den Moment gebunden.

Sehen in der Finsternis

Im unterirdischen Kontext gewinnen optische und akustische Prozesse an Schärfe. Die Dunkelheit bündelt die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf die künstlerische Interventionen im Detail: auf minimale Verschiebungen, auf Übergänge zwischen Fläche und Raum, auf das Verhältnis von Licht und Schatten. Farbe tritt in den Hintergrund. Der Raum ermöglicht eine konzentrierte Form des Sehens, in der sich Strukturen, Eingriffe und Bildzusammenhänge schrittweise erschließen. Sichtbarkeit erhält dabei eine zeitliche Dimension, da sie sich im Verlauf der Bewegung durch den Raum verändert, verdichtet und fortlaufend verändert.

Beteiligte Künster:innen »

Ingo Bracke
Marion Cziba
Mike Day
Frauke Eckhardt Renate Gross
Katharina Hamp und Dirk Dullmaier
Isabelle Kirsch
Nane Neu
Judith Röder
Klaudia Stoll
Natalie Veken
Sibylle Wagner
Sojeong You

Orientierung als Erfahrung

Die innere Struktur des Parcours orientiert sich an Motiven wie Kreuzung, Überlagerung und Verbindung. Unterschiedliche Ordnungen treten in Beziehung zueinander: lineare Achsen und netzartige Systeme, klar gesetzte räumliche Eingriffe und offen angelegte Bildfelder, aber auch Sound und technisch geprägte Visualisierungen sowie frei entwickelte Formzusammenhänge. Daraus entsteht ein dichtes räumliches Gefüge, in dem sich Perspektiven kreuzen, Geräusche und Ebenen überlagern wobei unterschiedliche Maßstäbe gleichzeitig wirksam werden.

Mit archaischer Wucht

In diesem immersiven Format wird der unterirdische Raum als psychologisch aufgeladene Denkfigur begriffen. Die Kunstwerke geben ihre Autonomie auf, um in einem situativen Gefüge aus Fels, Leerraum und Licht aufzugehen. Es entsteht eine heterotopische Welt, die sich der klassischen White-Cube-Logik entzieht und stattdessen auf die archaische Materialität des Ortes setzt.

Licht fungiert dabei als skulpturales Werkzeug und ordnende Kraft, das durch präzise Tiefenstaffelungen und die Akzentuierung baulicher Raumfiguren Orientierung stiftet. Der Parcours provoziert durch Engstellen, Höhenunterschiede und plötzliche Weitungen eine physische Unmittelbarkeit, die den Betrachter zwingt, sein Verhältnis zum Raum intuitiv neu zu verhandeln.

Licht im Sedimentgestein

In dieser intensiven Atmosphäre aus Stille und Resonanz verdichtet sich eine Konstellation aus Geschichte, Architektur und subjektiver Empfindung zu einer konzentrierten, sinnlichen Erfahrung. Die räumliche Enge und das Spiel mit der Leere zwingen den Betrachter zur Selbstreflexion, wodurch die Ausstellung zu einer mentalen Reise in das eigene Innere wird.

 

 

Felsenkeller unter dem Turnerheim, Kaiserslautern
Kunstverein KunstRaum Westpfalz |  750-jähriges Jubiläum der Stadt Kaiserslautern

Kurator: Ingo Bracke |  Projektleitung: Birgit Weindl

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Photos and credits:

Katharina Hamp und Dirk Dullmaier | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Sibylle Wagner | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Klaudia Stoll | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Mike Day | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Sojeong You | 2026 | Foto : Birgit Weindl |
Natalie Veken | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Isabelle Kirsch | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Judith Röder | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Renate Gross | 2026 | Foto : Birgit Weindl|
Frauke Eckhardt | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Marion Cziba | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Ingo Bracke | 2026 | Foto : Thomas Brenner |
Nane Neu | 2026 | Foto : Thomas Brenner |

Termin: 25.04. — 28.06.2026 » Rückblick

Adresse: Felsenkeller unter dem Turnerheim, Kaiserslautern

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