Wo Kunst zu Gast ist » Hotels als kulturelle Räume
Eingebettet in die Weinberge des Eisacktals bei Brixen verbindet das Boutiquehotel Pachers historisch gewachsene mit regionalen und internationalen Zusammenhängen. Das Boutiquehotel, das jetzt in der dritten Generation von der Familie Huber geführt wird, versteht sich als Ort, an dem Architektur, Handwerk und Südtiroler Lebensart in einen stimmigen Dialog treten. Die Gestaltung des Hauses zeichnet sich durch einen sensiblen Umgang mit dem kulturellen Erbe des Ortes aus und schafft eine ruhige, freundliche Atmosphäre.
Die Einladung von Künstler:innen in das Hotel ist ein Herzensprojekt von Johanna Huber. Die Ausstellungen werden von Bettina Pelz kuratiert und über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren im Haus gezeigt. Dadurch entstehen keine temporären Interventionen, sondern künstlerische Positionen, die sich im Austausch mit der Architektur des Hotels in den Bergen von Brixen und den Reisenden entfalten und verändern können. So entwickelt sich im Pachers ein kontinuierlich wachsender Kunstraum, in dem zeitgenösssische Positionen über einen längeren Zeitraum sichtbar werden und neue Bezüge im Spannungsfeld von Zeit und Raum mit dem Leben im Hotel einnehmen können.
Isabelle Kirsch » Organismus VIII
Die ortsspezifische Lichtinstallation Organismus VIII nimmt den architektonischen Übergang zwischen historischem Altbau und aktuellem Neubau ein. Aus semitransparenten Wellrohren und integrierten LED-Lichtlinien entwickelt Isabelle Kirsch ein dynamisches Geflecht aus Licht und Farbe, das den Raum subtil aktiviert.
Mit Organismus VIII setzt Isabelle Kirsch ihre Auseinandersetzung mit organischen Strukturen, Transformation und räumlicher Erfahrung fort. Technologische Präzision verbindet sich mit poetischer Lichtästhetik, die auf die Präsenz und die Bewegungen der Gäste reagiert.
„Licht und Wahrnehmung stehen in direktem Zusammenhang. Dabei ist mir wichtig Raumerfahrungen und Lichtstimmungen in eine neue sinnliche Empfindung zu überführen. In „Organismus VIII” übersetze ich beispielsweise Fotografien mittels technischer Reduktion vom Kontext und schaffe durch fließende Farben einen Raum der Erfahrung.“ Isabelle Kirsch
Die Lichtsequenzen basieren auf fotografischen Untersuchungen lokaler Lichtsituationen und übersetzen deren Charakter in kontinuierlich wechselnde Lichtfarbkompositionen. Auf diese Weise entsteht eine Installation, die die Atmosphäre im Raum stetig verändert und einen vielschichtigen Erfahrungsraum als wandelbares Erlebnis erfahrbar macht.
Katharina Berndt » Traubenreich
Das große Bild Traubenreich für das große Fenster über dem Eingangsbereich verändert seine Wirkung durch das natürliche Tageslicht aber auch mit dem künstlichen Licht im Innenbereich, ebenso wie durch unterschiedliche Blickwinkel und die Wahrnehmung von innen oder außen.
„Als Lichtkünstlerin unterscheide ich zwischen dem berechenbaren Kunstlicht, dass ich dramaturgisch bewusst als Medium zum Inszenieren einsetze und dem Spiel mit der Unberechenbarkeit des natürlich vorhandenen Lichts. Es geht darum, den Zufall mit ins Boot zu holen. Blickrichtung (Innen- und Außenansicht), Blickwinkel und Zusammenspiel der Durchbrüche im Bild und dem Hintergrund, Tageszeit und Wetter – alles sind Komponenten, die die Betrachtung verändern. Licht macht hier aus einer statischen Arbeit einen sich immerwährend verändernden, magnetisch lebendigen Ort.“ Katharina Berndt
Katharina Berndt verbindet Zeichnung, Illustration und narrative Bildwelten zu einer vielschichtigen Komposition aus pflanzlichen Formen, tierischen Motiven und assoziativen Elementen. Ausgangspunkt der Arbeit ist das Lied Geh aus, mein Herz von Paul Gerhardt von 1653, dessen Naturbezug in eine zeitgenössische Bildsprache übersetzt wird. Inspiriert von Naturbeobachtungen, Begegnungen und alltäglichen Eindrücken entfaltet Traubenreich einen offenen visuellen Raum, der Architektur und Umgebung miteinander verbindet und sich mit den wechselnden Lichtverhältnissen kontinuierlich immer wieder neu erschließt.

Rosmarie Weinlich » ANIMA
Die ortsspezifische Installation ANIMA im Treppenhaus des Hotels besteht aus beleuchteten Glaskörpern, in denen Kristalle wachsen und sich als eigenständige Systeme mit der Zeit entfalten.
Rosmarie Weinlich bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Ausgehend von Fragestellungen der Biologie, Medizin und Naturphilosophie untersucht sie Prozesse von Transformation, Wachstum und Vergänglichkeit.
„Das Licht, es wartet. Ich behandle Licht wie ein Phänomen, das man nicht besitzen, nur beobachten kann. Es strahlt nicht an, es behauptet nicht – es ist Bedingung, Atem, die stillste aller Kräfte. In meinen Installationen wird die Glühbirne zum geschlossenen Kosmos, und das Licht darin ist nicht Dekoration, sondern Lebensvoraussetzung: das, was Wachstum ermöglicht, Kristallisation begleitet, Vergänglichkeit sanft ausleuchtet, ohne sie zu erklären. Meine künstlerische Arbeit fordert Geduld – das Innehalten, das langsame Schauen, das Aushalten der Zeit. In ANIMA wächst der Kristall. Das Licht schaut zu. Die Seele ist anwesend.“ Rosmarie Weinlich
Der Titel verweist auf das lateinische Wort für Lebenskraft und greift Gedanken der analytischen Psychologie auf. So verbindet die Installation materielle Prozesse mit Fragen nach Wahrnehmung, Zeit und den verborgenen Dynamiken des Lebendigen.

Anna Rosa Rupp » Apfel
Die Tuschezeichnung Apfel, ursprünglich auf Papier gemalt, erscheint nun als digitale Lichtkomposition auf den Monitoren der Hotelzimmer. Durch die Übertragung in das digitale Medium löst sich die Zeichnung von ihrem materiellen Träger und gewinnt eine neue Form der Präsenz. Die feinen Linien der Tusche werden in Licht übersetzt und als immaterielles Bild erfahrbar. Dabei bleibt die ursprüngliche zeichnerische Geste erhalten, während sich ihre Erscheinungsweise grundlegend verändert.
Der Apfel ist in Südtirol weit mehr als ein agrarisches Produkt: Er prägt Landschaft und Geschichte, erzählt von seiner jahrhundertelangen Kultivierung und steht für die enge Verbindung von Natur, Arbeit und Wirtschaft.
„Licht bedeutet für mich die Voraussetzung jeder Farbe. Mich fasziniert, dass Farben erst im Zusammenspiel von Licht und Oberfläche entstehen, denn sichtbar wird nur der Teil des Lichts, der zurückgeworfen wird. Gleichzeitig prägt Licht die Atmosphäre des Himmels, von Orten, Jahreszeiten und Landschaften und beeinflusst meine künstlerische Wahrnehmung.“ Anna Rosa Rupp
Aus dem analogen, an Farbe und Papier gebundenen Werk wird eine flüchtige Konstellation aus Licht, die den geschützten Raum des Hotelzimmers besetzt und ihn temporär in einen Ort der Kunst verwandelt. Die Arbeit bewegt sich somit im Spannungsfeld von Materialität und Immaterialität und thematisiert die Transformation des gezeichneten Bildes im digitalen Zeitalter.

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Photos and credits:
Isabelle Kirsch / Organismus VIII / 2026 / Kunststoff mit LED | Photo: Jennifer Braun
Katharina Berndt / Traubenreich / 2024 / großformatige Zeichnung als Fensterbild | Photo: Jennifer Braun
Rosmarie Weinlich / Anima / seit 2012 / Glaskolben, anorganische Kristalle, LED | Photo: Jennifer Braun
Anna Rosa Rupp / Apfel / 2024 / Illustration | Photo: Jennifer Braun
Termin: 2026 bis 2028
Adresse: Boutiquehotel Pachers Brixen, Italien