Ingo Bracke und Stephan Kaluza

Ausstellung | 23.09.2021 – 28.11.2021

Baedekers erste Rheinreise als künstlerischer Exkurs

Anleitung zum Selbstversuch

Nachdem Karl Baedeker den in Konkurs gegangenen Verlag von Franz Friedrich Röhling übernommen hatte, ließ er dessen ersten Rheinreiseführer überarbeiten und veröffentlichte 1832 die ‚Rheinreise von Mainz bis Cöln, Handbuch für Schnellreisende‘. Die Publikation stand ganz im Kontext der gerade erst aufkommenden Rheinromantik. Baedekers erster Rheinreiseführer ist der Ausgangspunkt dieser Ausstellung.

Die Ausstellung > ein Kunstprojekt von Ingo Bracke und Stephan Kaluza

Stephan Kaluza – Fotografie

Stephan Kaluza ist den Rhein von der Quelle bis zur Mündugn 1.620 Kilometer acht Monate entlang gewandert. Dabei hat er das linke Rheinufer komplett in frontaler Perspektive fotografiert: Pro Minute hat er von der rechten Rheinseite aus, das Ufer des Flusses auf der anderen Seite fotografiert. Auf diese Weise ergab sich von Minute zu Minute eine lückenlose fotografische Erfassung des gesamten Uferstreifens – Materialien, die in der Ausstellung summarisch, dokumentarisch ausgebreitet werden.

Ingo Bracke – Licht- und Klanginstallationen

Ingo Bracke reiste für die Ausstellung von Mainz bis Koblenz mit dem Zug. Aus dem Filmmaterial dieser nur rund einstündigen Fahrt erstellte er eine Collage. Zufälliges, Bildstörungen, aber auch längere Passagen der Topografie, Umgebungsgeräusche, ebenso wie das rythmische Rattern der Räder auf den Schienen vermischen sich mit Partien aus der ‘Loreley‘ von Fredrik Pacius (Oper von 1887). Der Künstler bezieht das natürliche Phänomen, das siebenfache Echo in die Inszenierung mit ein und erfüllt den Raum mit Klängen und Licht.

Zentrales Thema der Installationen ist die Loreley. Seit 2008 arbeitet Ingo Bracke an großen Lichtprojektionen, in denen er den markanten Felsen in eine großformatige Skulptur verwandelt. Durch das Licht erfährt die Materialität des Felsen eine Entstofflichung und wird leicht, transparent, schwebend, wie von Innen heraus leuchtend.

Ein Mythos wird gebrochen

Stephan Kaluza hat mit der Dokumentation des Rheins und seines Verlaufs die Komprimierung von Zeit und Raum realisiert. Monumentale Industrieanlagen, in ihrer Biodiversität gestörte Vegetationen oder monotone Kaimauern sind ebenso sachlich und nüchtern fotografiert, wie liebliche Weinberge und touristisch-folkloristische Topografien. Die im öffentlichen Bewusstsein präsente mythologisch-historische Aufladung wird überschrieben und gelöscht.

Ingo Bracke hat die Lichtregie für die Ausstellung als eine Choreographie konzipiert, die sich in Assoziationen erweitert. Er öffnet einen multiperspektivischen Blick auf das Phänomen ‚Rheintal‘. Versatzstücke, wie Souvenirs der Loreley oder Spielzeug stellt er dem zum Klischee versteinerten Marketinginstrument entgegen und erzeugt einen offenen Resonanzraum. Ingo Bracke greift die Idee der Schaukästen und Dioramen, die gerade im beginnenden 19. Jahrhundert eine große Rolle in Bezug auf die Wahrnehmung der Natur gespielt haben, wieder auf. Der Besucher schaut durch kleine Öffnungen und wird in die Welt der Wunderkammer hineingezogen. Im sich wandelnden Licht verändert sich die Erscheinung der Kunstwerke kontinuierlich und die Besucher haben die Möglichkeit, sich assoziativ dem Mythos ‚Rhein‘ zu nähern. Dabei wird die Loreley und ihre Umgebung zur Projektionsfläche – einem Vexierbild der Phantasie.

Link > www.IngoBracke.de

Link > www.StephanKaluza.de

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Bildunterschriften :

im Slider:

| Ingo Bracke | Lichtkunst-Tetralogie am Loreley Felsen | 1. Akt: IchWeissNichtWassSollEs | Weltkulturerbe Mittelrheintal, 2008 | Fotografie: Christian Wolter | © VG Bildkunst | in:  Anleitung zum Selbstversuch. Baedekers erste Rheinreise als künstlerischer Exkurs / Instructions for self-experiment. Baedeker’s first trip to the Rhine as an artistic excursus | 23.09.2021 – 28.11.2021 | Ludwig Museum im Deutschherrenhaus, Koblenz/DE |

im Text:

| Ingo Bracke | Lichtkunst-Tetralogie am Loreley Felsen | 2. Akt: LurLich(t) |Weltkulturerbe Mittelrheintal, 2008 | Fotografie: Christian Wolter | © VG Bildkunst | in:  Anleitung zum Selbstversuch. Baedekers erste Rheinreise als künstlerischer Exkurs / Instructions for self-experiment. Baedeker’s first trip to the Rhine as an artistic excursus | 23.09.2021 – 28.11.2021 | Ludwig Museum im Deutschherrenhaus, Koblenz/DE |

| Stephan Kaluza | Rheinprojekt 2 | 2017 | Photo: © Stephan Kaluza |

Termin: 23.09.2021 – 28.11.2021

Adresse: Ludwig Museum, Koblenz/DE

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